Ganz unten als Chance

Misserfolg
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Mit Fug und Recht lässt sich die Behauptung aufstellen, das Menschen erst anfangen Umzudenken, wenn sie ganz unten angekommen sind. Leider geben sich sehr viele an diesem Punkt komplett auf. Zum einen, weil diese Lebenssituation unbekannt ist. Auf der anderen Seite wollen sie nicht akzeptieren, das es ausgerechnet ihnen passierte. Auf der Suche nach Schuldigen und mit dem Kopf voller Ausreden schwindet dann zusehens der klare Blick auf das Wesentliche und was bleibt ist Selbstmitleid, Selbstaufgabe, Opferrolle. Der Verlust des Status ist für viele gleichzusetzen mit dem Tod. Der Freundeskreis dünnt sich aus, die Rechnungen häufen sich und egal was man versucht, der erhoffte Wiederaufstieg will nicht gelingen. Überschuldet, desillusioniert, demotiviert und ohne einen Plan wie es weitergehen soll, beginnt dann der soziale Abstieg. Ein Teufelskreis, dem zu entrinnen wie der Gang durch ein unendliches Labyrinth erscheint.

Aber wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Man muss es nur wahrnehmen. Es ist so, als ob man sich verlaufen hat. Am Anfang steht die Orientierung. Gleich auf den erstbesten „Zug“ aufzuspringen und vielleicht noch die letzten paar Groschen für ein Buch auszugeben das Erfolg und Geld verspricht, ist der falsche Weg. Alle diese Bücher haben eines gemeinsam. Sie versogen nicht den mit Geld der es braucht, sondern den, der es geschrieben hat. Es gibt keine Anleitung wie man zu Geld kommt. Das ist etwas individuelles und von Mensch zu Mensch verschieden.

Sich neu zu orientieren eröffnet die Chance auf eine andere Art der Wahrnehmung. Plötzlich sieht man Dinge, die vorher im Verborgenen lagen, versteht das Ganze System und das es immer Verlierer geben muss, weil das System auf Gewinn und Verlust aufgebaut ist. Immer wenn jemand gewinnt, verliert ein anderer. Daher ist es ein Irrglaube anzunehmen, dieses System würde so etwas wie ein Prinzip des Ausgleichs in sich bergen. Das System bietet lediglich einen Abstellgleis in einem Sackbahnhof. Es lässt dich nicht verhungern aber es versucht dir ständig einzureden, das DU ein Versager bist und gefälligst jede zumutbare Arbeit anzunehmen hast.

Das System enthält dir jedoch die Wahrheit vor. Viele Menschen leiden, viele verlieren ihre Geldquelle. Jahr für Jahr verschwinden Arbeitsplätze durch Stellenabbau, Umstrukturierungen und Insolvenzen. Der Arbeitsmarkt wird künstlich ausgedünnt und wer dem steigenden Druck nicht stand halten kann ist ganz schnell weg vom Fenster. Hat man dann noch Zahlungsverpflichtungen z.Bsp. durch ein Haus, Unterhalt, Kleinkredite, ist es bis zur Insolvenz meist nicht mehr weit. Im Kleingewebe sind die Auswirkungen noch verherender. Geschäftsaufgaben sind fast immer mit Insolvenz und damit auch sozialem Abstieg verbunden.

Wer ganz unten angekommen ist hat nur geringe Chancen, wieder auf die Beine zu kommen. Eine Möglichkeit liegt darin die Chance zu ergreifen um das System zu verstehen, sehen wo die Fehler liegen und darauf hin zu wirken, das Veränderungen herbeigeführt werden. Als kleines Rad im Getriebe, voll von Überzeugungen, Meinungen, Standpunkten, war es noch normal über „Versager“ und „Schmarotzer“ zu lästern, ohne zu merken, dass man selbst zu einem angepassten Arschloch, einem Systemzombie geworden ist. Doch damit ist es nun vorbei. Du befindest dich jetzt im Zustand „normal“. Wach auf, sieh dich um und nutze deine Talente, dein Fachwissen, die freie Zeit – werde ein anderer Mensch.

Zurrück ins Hamsterrad kann man selbstverständlich auch. Aber aus welchem Grund? Etwa wegen Geld? Ansehen? Konsum? Wir sind nicht weit entfernt von einem totalen Kollaps. Was werden wohl die Massen tun, wenn sie eines Morgens aufwachen und weder Arbeit, noch Geld, noch etwas zu futtern haben? Die Wirklichkeitsverweigerer werden dann ebenso erbarmugslos mit dem Boden der Realität Kontakt aufnehmen. Wohl dem der rechtzeitig gemerkt hat, das der Kahn am sinken ist. Die Kernfrage ist jedoch eine ganz andere. Lassen wir zu das eine Gruppe durchgeknallter Einfallspinsel einen Systemneustart macht und das große Verheizen von vorn beginnen kann? Wer soll über diese Frage nachdenken, wenn nicht du? Du hast jetzt die Chance, eine Antwort darauf zu finden – Lösungen auszuarbeiten.

Zugegeben, es ist nahezu unmöglich einfach alles hinter sich zu lassen und den Erwachten zu „spielen“. Das ist auch nicht das Ziel. Es ist ein ehenes Gesetz, das einem das hinterher läuft, wovor man wegrennt. Damit die selben Fehler nicht noch einmal gemacht werden, muss man sich seinen Dämonen stellen. Erst nachdem die Trümmer der eigenen Taten beseitigt wurden ist der Weg erkennbar, der noch vor vor dir liegt. Als Starthilfe sollen die folgenden Tips dienen.

Tip 1)
Gestehe deine Fehler ein. Sei ehrlich und selbstkritisch.

Tip 2)
Hast du anderen Schaden zugefügt, bitte um Vergebung aber erwarte nichts. Zeige Einsicht und gelobe Wiedergutmachung nach deinen Möglichkeiten.

Tip 3)
Halte stets deine Verbindlichkeiten ein. Brich nie ein Versprechen. Schaffe eine vertrauenswürdige Atmosphäre um dich herum.

Tip 4)
Rückschläge sind unvermeidbar. Das Leben gibt dir immer eine Chance und die ersten Hürden sind so groß, das du sie gerade so überwinden kannst. Sie werden mit der Zeit kleiner.

Tip 5)
Verhandle mit den Gläubigern. Bitte um Stundung, Einmalzahlung, Vergleich oder Ratenzahlungen (soweit möglich und schriftlich). Achte auf Fristen.

Tip 6)
Setze dir kleine Etappenziele und freue dich darüber, wenn du sie erreicht hast. Große Ziele zu setzen bringt gar nichts außer noch mehr Enttäuschung, wenn du sie nicht erreichst.

Tip 7)
Du bist nicht allein. Wahre Freunde erkennt man erst in der Not. Wer sich von dir abgewandt hat, war nie dein Freund. Auch der Zusammenhalt in der Familie ist wichtig – Streit vermeiden.

Tip 8)
Schließe mit dir inneren Frieden. Mit sich selbst zu hadern zermürbt und Selbstzweifel zehren an den Kräften.

Tip 9)
Nimm nie wieder Kredite auf. Auf gar keinen Fall Dispokredite in Anspruch nehmen. Werde Barzahler soweit es möglich ist.

Tip 10)
Übe dich in Enthaltsamkeit. Nicht auffallen und gut beobachten ist eine gute Strategie.

Wenn du diese Tips beherzigst, wird schon bald wieder Ordnung ins Chaos einkehren. Alles braucht seine Zeit, übereile nichts.