Schnappschuss

In der Zeit meiner Abwesenheit hatte ich Gelegenheit einige Bücher zu lesen und die Meinungen und Ansichten der Autoren zu verinnerlichen. Aber ob es sich nun um eine schillernde Figur wie Dirk Müller, alias Mr. Dax oder den Arbeitskreis um Hankel und Schachtscheider handelt, so kann der aufmerksame Leser zumindest feststellen, dass deren dargebotene Lösungsansätze zwar gut gemeint sein mögen, der Kern des Übels jedoch stets unangetastet bleibt. Ohne diesen Autoren auch nur irgend etwas unterstellen zu wollen fällt dennoch auf, dass sie alle aus der Sicht des bestehenden Systems argumentieren. Wie sollten sie auch anders? Wer mit Messer und Gabel groß geworden ist, tut sich mit Stäbchen schwer. Leider, und darauf kommt es in diesem Gleichnis an, haben besagte Herren noch nie etwas von „Stäbchen“ gehört was darauf schließen lässt, dass deren Sicht erheblich eingeschränkt ist. Somit bleiben deren Lösungsansätze leider nur Wunschgedanken, welche ihre Ursprünge einer kapitalistisch geprägten Ideologie zu verdanken haben. Wer an dieser Stelle meint, dass ein sozialistisch geprägtes Weltbild doch das bessere sei, der hat noch nicht verstanden, dass Kleider nicht nur Leute machen, sondern auch deren Charaktere formen, denn ein Blick in die jüngere Vergangenheit gestattet uns ein vernichtendes Urteil über ein sozialistisch geprägtes Gesellschaftskonstrukt und seine unmittelbaren Auswirkungen sowohl auf politische Führungskader als auch der leidtragenden Bevölkerung.

Angesichts dieser Tatsachen ist es schier unbegreiflich, dass es ein Großteil der europäischen Ureinwohner tatsächlich vorzieht, noch immer täglich ins Gehirn gefickt zu werden. Zumindest auf politischer Ebene ist die Erde für die meisten Menschen eine Scheibe, ein zweidimensionales Etwas, das sich in links und rechts unterteilen lässt. Und man muss den Vergleich mit mittelalterlichen Hexenverbrennungen nicht scheuen, denn noch heute werden Abweichler an den öffentlichen Pranger gestellt und dem Pöbel ausgesetzt oder nach Gutmenschenmanier, gleich auf dem Scheiterhaufen der Gesellschaft verbrannt. Eigenartig im wahrsten Sinne des Wortes ist der überparteiliche Konsens, was die Kernthemen dieser Tage anbelangt. Die griechische Farce, die Flüchtlingslügen, die Spannungen mit Russland oder welcher politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Konflikt auch immer gerade an der Tagesordnung ist, lassen sich alle auf einen gemeinsamen Nenner herunter brechen. Es geht um eine Neuordnung der Welt und die Sicherung der unrechtmäßig ergatterten Pfründe. Das es dabei auch im Lager der herrschenden Kaste immer wieder zu Interessenkonflikten und Rivalitätskämpfen kommt ist einleuchtend – schließlich leben wir im Kapitalismus.

Momentan erleben wir also die Installation eines weiter entwickelten Systems, das ebenso wie das Bestehende, die Saat des Verderbens in sich trägt. Ohne jetzt allzu pessimistisch klingen zu wollen kann doch davon ausgegangen werden, dass dieser Prozess unumkehrbar sein wird. Ich meine, wir haben es nicht einmal geschafft einem altersschwachen und fehlerbehaftetem System den Garaus zu machen. Wie soll das dann nach der Installation und dem Reboot mit einem moderneren System bewerkstelligt werden? Passiert ist folgendes. Aus einem großen Ganzen, das wir einst als Staat kannten, wurde eine reine Kommandostruktur. Der Staat, früher einmal größter Arbeitgeber, wurde durch die Privatisierung praktisch abgeschafft und existiert nur noch faktisch. Kein Wunder also, wenn Bürger dessen Rechtmäßigkeit anzweifeln. Was ist denn ein Staat, der nur noch die Hand aufhält und das Geld der Bürger umverteilt? Zumal sich die Kommandostruktur und dessen Verwaltungsapparat zunehmend vom Bürger distanziert… Letztere werden nur noch wie aufgeschreckte Hühner zwischen den Meinungen hin und her gescheucht und kaum jemandem fällt auf, dass die gern zitierten Argumente aus den Qualitätslügenmedien, dies oder jenes betreffend, völlig haltlos und aus dem Zusammenhang gerissen, geäußert werden.

Während sich die europäische Urbevölkerung also vollends verschaukeln lässt, laufen im Hintergrund die Umbauarbeiten für ein „neues“ Europa. Die mit diesen Umbauarbeiten einhergehenden Veränderungen sind so schwerwiegend, dass selbst aktuelle Ereignisse völlig in den Hintergrund gedrängt oder aber verzerrt dargestellt und somit ebenso falsch interpretiert werden. Griechenland ist ein Beispiel – ein sehr markantes obendrein. Den Wenigsten dürfte aufgefallen sein, dass die geplante Rückkehr zur Drachme ein Staatsstreich war – aber von der eigenen Regierung inszeniert. Warum hat wohl der „böse“ Putin einen Milliardenkredit für die Einführung der Drachme verweigert? In wessen Auftrag handeln Tsipras aber auch Schäuble, wenn sie sich für den Austritt Griechenlands aus dem Euroraum und der Einführung einer Nationalwährung stark machen? Warum wollte Schäuble Griechenland mit 50 Mrd. Euro unterstützen? Haben beide noch nie etwas von den reichhaltigen Bodenschätzen und den riesigen Erdgasvorkommen Griechenlands gehört oder davon, dass Russland eine Erdgaspipeline durch Griechenland plant, die weit mehr Transportkapazitäten als das amerikanische Pendant (Southstream) vorzuweisen hat? Ein Gr-Exit wäre unter den bestehenden Voraussetzungen eine wirtschaftliche Katastrophe für das europäische Konstrukt. Vor diesem Hintergrund sollten die einstigen Aktivitäten von Goldman Sachs bezüglich eines EU Beitritts Griechenlands einmal genauer beleuchtet werden.

Machen wir uns nichts vor! Die Bevölkerung wird sich nicht gegen seine Peiniger erheben und daher jede Maßnahme dulden, die der Sprechomat in Dolby Digital und Großformat verkündet. Wie eine aufbegehrende Masse vorgeführt und verunglimpft werden kann, haben wir in den vergangenen Monaten recht eindrucksvoll miterleben dürfen. Das bestehende System ist zwar am Ende aber es wird bereits an einer Neuinstallation gearbeitet. Kaum jemand ist bereit, diesen Prozess aufzuhalten oder gar zu sabotieren. Die Angst vor finanziellen Verlusten oder einer gesellschaftlichen Ächtung ist viel zu groß und Helden gibt es nur in Märchen.

MfG
Wanderer

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4 Gedanken zu „Schnappschuss

  1. Hallo Wanderer,
    schön daß Du wieder da bist.

    Seh ich genau so wie Du, daß die meisten nur Lösungen bzw. Kritiken innerhalb des Systems anbieten. Das bringt so aber nicht viel außer daß das Schaf kurz aufblickt, dann aber noch verwirrter weiter grast. Ich denke, daß diese sogenannten Kritiker gezwungenermaßen sich nicht weiter aus dem Fenster lehnen, da sie sonst fallen (gelassen) würden. Die Schafe (der gemeine Bildzeitungsleser) selber würden sie in den Staub treten.

    Was soll man sich also die Mühe machen solchen Leuten zuzuhören, wenn sie doch den Kern des Problems nicht publizieren um sich zu schützen und vom bestehenden System und ihrer Laberei auch noch sehr gut zu leben?

    Ich halte mich dann doch lieber an Leute welche wirkliche Systemkritik und die daraus resultierenden Lösungen anbieten. So finde ich Gaddafis „Das grüne Buch“ und Kalergis „Praktischer Idealismus“ sehr aufschlußreiche Werke. Letzteres, lieber Wanderer, wird dir aufzeigen daß es Helden nicht nur im Märchen gibt. Mein Buchtip für dich. (bei archive org)

    LG

    • Richtig. Ständig Reformen im Scheinestall. Dort eine neue Gardine, hier ein wenig Tünche, ein kleiner Tapetenwechsel. … und in der Zwischenzeit formen die Kapitalisten die Welt, wie sie ihnen gefällt. Auf, auf. Auf zum Großen Krieg gegen Russland!

      „@ Das Wassermannzeitalter wird ein Ruck durch die Menschen gehen lassen und dann wissen es alle. Danach folgt das Paradies auf Erden für die folgenden Äonen.

      Das Atom-Blitz-Krieg-Zeitalter wird eine tiefe Erleuchtung durch die Menschen gehen lassen und dann wissen es alle. Dann folgt das Paradies auf Erden für die folgenden Äonen und in 10.000 Jahren erzählen sich die dann wieder in Massen lebenden Menschen die Mythen alter Zeiten:

      Wir schreiben das Jahr 10.233 nach Vollidiot

      Vater zur Tochter, Mutter zum Sohn:

      “Es war einmal ein Vollidiot, der hatte eine Erleuchtung und unterhielt sich mit Seiner Herrlichen Dummheit Löding, einem Schüler von thomram, der es luckyhans hatte, denn der mächtige Erzengel gabriel lebte auf bali, da piet er bis es in Marc und Halden ging, so das eine Amsel des Gartens auf ein jfk stoßen konnte … dahin müssen wir wieder zurück. — Heidi, wo bleibt eigentlich der Müllmann?

  2. Pingback: Schnappschuss | D – MARK 2.0

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