Die Intellektuellen

Wer in dieser Zeit schon als Intellektueller angesehen wird ist wirklich abenteuerlich. Die richtige Bezeichnung für diese, nach darwinistischer Sichtweise evolutionierte (also perfekt angepasste) Art wäre wohl Papagei, denn zu mehr als dem Nachplappern von geistig Erbrochenem reicht es bei dieser Spezies nicht aus. Diese Erfahrung musste ich in den vergangenen Wochen immer wieder machen. Nein, liebe Mitwürger/innen, das ist nicht mehr nur traurig, sondern eine einzige Katastrophe. Den krönenden Abschluss dieser Odyssee durch eine geistige, deutsche Brachlandschaft erlebte ich erst vor kurzem, als sich mir solch ein Intellektueller auf dem geistigen Niveau einer unreifen Holland-Tomate über die gängigen Ansichten seines Weltbildes offenbarte. Die Gänsepelle hält zur Stunde noch an und ich wage zu bezweifeln, dass es eine ausreichende Menge Valium auf Erden gibt, die einen sonst gestandenen, aufgeräumten Geist wie den meinen, nach dieser geballten Ladung geistigen Ausschusses wieder auf ein einigermaßen akzeptables Niveau der Ruhe bringen kann.

Intellektuelle sind, genau genommen, Schizophrene bzw. schizoid Veranlagte, die zwar zu dämlich sind einen Eimer Wasser umzukippen, sich selbst jedoch für intellektuell halten, weil sie stotterfrei bis drei zählen können. Was über diese Leistung hinaus geht, also (wir) reflektieren, analysieren, subsumieren, differenzieren, all das, was nicht nur eine Unterhaltung, sondern auch eine daraus resultierende Schlussfolgerung interessant werden lassen könnte, steht bei dieser Gattung offenbar überhaupt nicht mehr zur Debatte. Ganz im Gegenteil wird, wenn die Phrasen ausgehen, die Flucht aus dem Gespräch gesucht – jedoch nicht, ohne einen fragwürdigen Blick auf den, nun als suspekt betrachteten, Gesprächspartner zu werfen.

Willkommen im Zeitalter einer programmierten Biomasse, der anspruchs- charakter- lieb- geist- inspirations- und leblosen Wesen einer hoch technisierten Konsumgesellschaft, die jegliche Ansprüche an eine funktionierende Gesellschaftsform auf Teppichkanten-Niveau herunter gebrochen hat. Vielleicht fragst du dich gerade, warum ich mich so aufrege? Vielleicht auch nicht… Angenommen du unterhältst dich mit einem intellektuellen Freak und du musst in Echtzeit miterleben, wie der schon bei der Erwähnung des Wortes „Eigenverantwortung“ zusammen zuckt, als ob er einen Hieb mit der Peitsche bekommen hat… So eine Reaktion macht neugierig – mich zumindest. Und so hakte ich ein wenig nach und brachte, da es sowieso gerade zum Thema passte, das sozialistische Modell der ehemaligen DDR zur Sprache. Ich erklärte diesem Naseweis, dass die DDR kein Muttistaat wie die BRD gewesen ist, sondern einen politischen Überbau für das, sich darin befindliche und in Eigenverantwortung gelebte Gesellschaftssystem hatte, welches sich grundlegend vom politischen System unterschied, jedoch eng mit dem Gesellschaftlichen verzahnt war. Er wurde blass, als er in mir den gebürtigen Sozialisten erkannte und schickte sich an, zu gehen. Dem bereits erwähnten fragwürdigem Blick jedoch folgte ein Satz, der mich wirklich aufbrachte. Ich komme noch darauf zurück.

Die Unterhaltung umfasste insgesamt viele Themen die, nach heutiger Manier eher oberflächlicher Natur und ohne eigene Schlüsse seinerseits, für ihn ein gängiges und durchaus akzeptables Weltbild darstellten. Darin war jede Sau abgebildet, die in den vergangenen Jahren durchs Dorf getrieben wurde – nebst mitgelieferter Meinung darüber. Das Äußere dieses gut gekleideten Herren mit Hang zum Fahrradfahren hatte den üblichen Look links verorteter Kreise in denen noch immer angenommen wird, dass „grün“ etwas mit Umweltschutz gemein habe. Seine Aussprache und Wortwahl schwankte (was oft zu beobachten ist) jedoch zwischen Darstellungs- und Nachplappermodus hin und her. Sein verfügbarer Rahmen, der für einen Intellektuellen eigentlich ein Gesamtbild der gesellschafts- und wirtschafts-politischen Landschaft einfassen sollte war sehr kompakt und inhaltlich mit einem Mäusekino vergleichbar. Da mir solcherlei Intellektuelle sehr oft begegnen und äußerlich wie innerlich aussehen wie Duplikate die einem Weltbild huldigen, das aus einem billigen Comic zu sein scheint muss ich konstatieren, dass wir uns alle geirrt haben. Mit „wir“ meine ich die Schar der Aufgeklärten. Wenn solche Intellektuellen von Sozialstaat, Integration, Recht oder was auch immer quasseln, haben sie darüber keine eigene Auffassung. Sie meinen zwar sie hätten eine aber bisher ist es mir in jedem Gespräch innerhalb kurzer Zeit gelungen, diese Eigenannahme zu widerlegen. Dazu bedarf keinem großartigen rhetorischen Geschick. Es genügt, diese Intellektuellen mit der Wirklichkeit zu konfrontieren. Macht man dies ganz ohne ideologische Stilmittel werden sie unsicher und versuchen, in einen anderen Verhaltensmodus zu wechseln. Mangels Auswahlmöglichkeiten gelingt ihnen das jedoch nicht und sie verfallen in eine Art Konversation, die kindlichem Gestammel sehr ähnlich ist. Je nach Sichtweise wird es aber lustig bis deprimierend, wenn sich solche Cyborgs über Dinge äußern, von denen sie absolut keine Ahnung haben, jedoch eine vorgefertigte Meinung bis aufs Messer verteidigen, obwohl sie nicht ihre eigene ist.

Dazu verwende ich gern und oft die jüngere deutsche Geschichte, indem ich solch verdrehten Geistern ein korrektes Bild über die DDR vor die Nase halte. Dazu muss erwähnt werden, dass jegliche offizielle Darstellungen über die DDR nichts als nonsens sind, in der obendrein jegliche positive Aspekte ausgeblendet werden. Ein herausragendes Beispiel des DDR-Bashings ist die soziale Marktwirtschaft, die stets mit dem Dreckfeutel der Subvention von Gütern des täglichen Bedarfs bedacht wird. Das Brötchen für 5 Pfennige, das Brot für 95 Pfennige, eine 75m² Wohnung für 75 Mark Miete im Monat und eine Krankenversicherung mit voller Leistungsdeckung für 12 Mark, sind den sozial abkömmlichen Sozialisten dieser Tage ein Dorn im Auge. Schnell und abfällig fällt der Begriff staatlicher Subventionierung. Doch dabei wird geflissentlich ausgeblendet, wer in diesem Staat alles Subventionen (vor allem, in welch phantastischer Höhe) erhält.

Sozial ist für diese Gattung, die Krümel ihres reichlich gedeckten Tisches als Gaben darzustellen die sie, großherzig wie sie sind, den sozial Benachteiligten (sprich, den von ihnen Ausgeplünderten) zukommen lassen. Besonders die Gruppe der Nichtleister, also Lehrer, Professoren, Angestellte im öffentlichen Dienst, fühlen sich angegriffen, wenn ihnen ein daher gelaufener Mensch die Welt erklärt, wie sie ist – indem er ihnen einfach einen Spiegel (nicht das gleichnamige Schmierenblatt) vor die Nase hält. Dieser Anblick ist für Intellektuelle schier unerträglich. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Wirken löst sofort den Selbsterhaltungstrieb aus und aus vermeintlich sozial Veranlagten entpuppt sich nicht selten ein a-soziales, angepasstes Individuum – ein politisch korrekter Cyborg auf dem bereits erwähnten intellektuellen Niveau einer unreifen Holland-Tomate. So lange sie sich herablassend über andere Menschen und andere Gesellschaftssysteme äußern können, sind sie in ihrem Milieu und fühlen sich auf sicherem Terrain. Für sie ist die DDR ein korrupter Staat gewesen, der seine Bewohner bevormundete und mit Ideologien indoktriniert hat – einen Vergleich zur BRD scheuen sie jedoch, wie der Teufel das Weihwasser.

Nun möchte ich den Leser aber nicht weiter auf die Folter spannen, denn ich versprach aufzuklären, warum ich mich so aufgeregt habe. Wir sprachen, wie bereits erwähnt, über die DDR und ich hielt meinem vermeintlich intellektuellem Gesprächspartner tapfer einen Spiegel vor die Nase. Da sagt doch dieser Grünschnabel tatsächlich: „Na, zum Glück haben wir diesen Teil der Geschichte hinter uns gelassen.“

Zum „Glück“ haben wir also Vollbeschäftigung, soziale Absicherung, kostenfreie medizinische Versorgung, ein hohes Bildungsniveau und eine günstige Grundversorgung mit Lebensmitteln, eine niedrige Kriminalitätsrate, kostenlose Kindesbetreuung nebst Haushaltstage für die Frau, also ein sozial verträgliches Umfeld und eine, wenn auch nicht in allen Belangen zufriedene Bevölkerung hinter uns gelassen – sagt ein Intellektueller…

MfG
Wanderer

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Ein Gedanke zu „Die Intellektuellen

  1. Einfach erquickend… Danke Wanderer…
    …und zum Glück wurden Millionen zum weg wandern (daher dein Nick?) bewegt, so als wenn Kohl mit seinem Gewicht und dicken Stiefeln einen Ameisenhaufen zertreten hätte. Das hat er im übertragenen Sinne ja auch getan.
    Familien und Freundeskreise wurden zersprengt weil Lebensgrundlagen entzogen wurden und die Jagt nach Konsum und Geld an erste Stelle propagiert.

    Nimm Dir am besten immer einen nassen Feudel mit, welchen Du solchen Probanden mal fluchs um die Ohren hauen kannst. Verkauf es als Tradition. 🙂

    LG

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