Mangelwirtschaft mit reichlich Überflussoptionen

Geld anzulegen mag in einem gewissen Rahmen verständlich und auch sinnvoll sein. Aber gerade beim Handel zwischen Groß- oder Geschäftsbanken, ist es genau genommen in etwa so als würde man ob der zu erwartenden und stetig steigenden Gewinne, Blut und seine Derivate bei einer anderen Blutbank anlegen wollen – selbstverständlich das frisch gezapfte Blut anderer, das gern als eigenes angesehen wird. Geld ist das Blut der Wirtschaft und die schwächelt(!) seit einigen Jahren aus gutem Grund. Es liegt am System, denn es ist alt, fehleranfällig, überholt. Am deutlichsten wird das bei Subventionen, die nichts anderes als eine dauerhafte Bluttransfusion komatöser Patienten bedeuten. Die (noch) funktionierenden Wirtschaftsteile hängen systembedingt auch am Tropf und müssen laufend mit frischem „Blut“ versorgt werden. Aber an diesem Tropf hängen auch gleichzeitig die „Spender“, genauer, die Anleger, um ihre Gewinne anteilmäßig aus dem Blutkreislauf zu ziehen.

Rentabilität allein zeigt lediglich die Tragfähigkeit eines Konzeptes. Sollen Profite erwirtschaftet werden, muss ein Versprechen auf Gewinn in ein sonst einwandfrei funtionierendes Konzept eingearbeitet werden. Verantwortlich dafür ist ein Phänomen, das wir als Produktivitätssteigerung kennen, vergessend, dass gerade diese Steigerung mit stetig schwindenden Ressourcen erzeugt wird und somit eine rückwärts laufende Uhr bzw. eine tickende Zeitbombe bereits zum Systembestand gehört. Ein System, das auf Schwund aufgebaut ist erzeugt über einen absehbaren Zeitraum also genau das, was wir derzeit auf unserer Welt vorfinden – Mangelwirtschaft mit reichlich Überflussoptionen. Ein weiteres Phänomen ist die Entstehung von Geld durch Geld bzw. und um am Gleichnis festzuhalten, Blut durch Blut. Da aber nur eine bestimmte Geldmenge vorhanden ist, muss wachstumsbedingt ständig mehr Geld in den Kreislauf gebracht werden. Wir bezeichnen das als Inflation. Die Geldmenge muss also zwangsläufig ausgeweitet werden, damit durch Geld, Geld entstehen kann.

Bei einem heranwachsenden Menschen sehen wir das gleiche Prinzip. Die Blutmenge wächst im Verhältnis zur Körpergröße. Ganz im Unterschied zu künstlichen Konstrukten erreichen natürliche ein Wachstumsmaximum und wechseln dann in den Systemerhaltungs- und Fortpflanzungsmodus. Das ist weder verwerflich noch falsch, denn schließlich muss die aufgewendete Energie für den Wachstumsprozess für irgendwas von Nutzen sein. Ein Menschen wechselt in aller Regel nach der Wachstumsphase in den Reifeprozess. An Stelle der Quantität tritt die Qualität. In unserem Wirtschaftssystem war das einmal ähnlich. Genau das war auch der Grund für die Beliebtheit von Produkten aus good old Germany. Wir zehren heute noch von diesen Tagen, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Heute wird der Handel mit realen Produkten von sg. Finanzprodukten bei weitem übertroffen. Diese „Produkte“ dienen letztendlich nur einer ausgewiesenen Gewinnperspektive, die wiederum Anleger locken soll. Und genau dort beginnen die Probleme der Finanzkrise. Geld, welches eigentlich in die Realwirtschaft gehört, fließt in der Hoffnung auf noch mehr Gewinn in eben jene Finanzprodukte und wird auf diesem Markt in unvorstellbaren Größenordnungen in Derivaten gebunden.

Durch den Abfluss des Geldes in dubiose Finanzprodukte wird der Realwirtschaft die Basis entzogen – was u.a. Auswirkungen auf die Kaufkraft hat. Finanzexperten wissen das. Sie wissen auch, dass Unmengen von Derivaten irgendwann zur Disposition stehen und nicht ausgelöst werden können, weil das dafür nötige Geld nicht im Geldkreislauf vorhanden ist. Spätestens dann, wird der erste Dominostein kippen. 2008/09 haben wir erlebt, wie skrupellos die Finanzmächte vorgehen und auch nicht davor zurück schrecken Staaten zu erpressen, indem sie Banken als systemrelevant erklären. Lehman Bro. war da nur Mittel zum Zweck, ein zu verschmerzender Verlust. Der so eingefädelte Aderlass am Steuersäckel ist dagegen um ein vielfaches lukrativer. Selbstverständlich würden Finanzkoryphäen, wie z. Bsp. unser Schäuble, so einen Betrug sofort bemerken und statt hektisch nach dem Spendierbeutel zu greifen, mit einem Kognac in der Hand gemächlich dabei zusehen, wie sich eine Großbank selbst in Knie schießt. *hust

Bank und Blutbank haben eine Menge gemeinsam. Sie dienen als Sammelbecken und Verteiler für Geld bzw. Blut. Eines jedoch kann die Blutbank nicht, Blut selbst erzeugen. Und genau an dieser Stelle wird der Aberwitz, besser, das Vorhandensein eines Verfallsdatums für unser System erkennbar. Geld kann zwar quanitativ ausgeweitet werden, qualitativ jedoch nicht. Dazu befarf es, vom Prinzip des Kapitalismus stark abweichende Gesetzmäßigkeiten. Wir wären heute technisch in der Lage, praktisch verschleißfreie bzw. verschleißarme Produkte herzustellen. Dies würde jedoch die Produktivität verlangsamen und das Wachstum ganz zum Erliegen bringen. Wahrscheinlich hat auch unsere alternativlose Wachstumspredigerin genau diese Tatsache erkannt bekommen. Man sollte dieser Frau mal erklären, dass Wachstum nur deshalb alternativlos ist, weil sie nichts anderes kennt und sich auch nicht genötigt sieht, andere Lösungsmöglichkeiten in Erwägung zu ziehen, als ihr gesagt werden.

Es ging in diesem Artikel lediglich darum, aufzuzeigen wie das Geld aus dem Wirtschaftskreislauf gesogen wird und das dadurch definiv Konsequenzen zu erwarten sind. Diese Konsequenzen müssten nicht einmal besonders schlimm sein, denn Prof. Franz Hörmann hat zum Beispiel ein System entwickelt, das um ein vielfaches leistungsfähiger, produktiver und qualitativ höherwertiger ist, als das Gegenwärtige. Das in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht darüber gesprochen wird ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass an Lösungen abseits der etablierten Ordnung kein Interesse besteht.

Am Ende angekommen gibt es noch ein kleines Schmankerl. Bei focus.de wurde am 02.11.14 ein kurzer Artikel zum Besten gegeben, der wohl einen Großteil der Bevölkerung am Nasenring durch die Manege führen soll. Ich zitiere hier einfach mal einen aufschlussreichen Absatz daraus:

Im Klartext: Die Momo-Mitglieder wollen, dass die Banken nur das Geld an Krediten ausreichen dürfen, das ihnen tatsächlich gehört. Damit würden der Kreditwirtschaft viele Milliarden rein virtuelles Geld entzogen. Folge: Die Branche würde drastisch schrumpfen, wenn nur noch sogenanntes Vollgeld zirkuliert. Das Zocken mit „künstlichem“ Geld wäre beendet.

Diese Kurzdarstellung allein sollte eigentlich für einen Generalstreik ausreichen, wäre da nicht das Fazit dieses Artikels. Das ist mal wieder typisch Leidmedien. Da heißt es doch tatsächlich:

Kritiker befürchten, dass der Finanzplatz Schweiz mit derartigen Sonderregeln massiv geschwächt würde.

http://www.focus.de/finanzen/boerse/vollgeld-statt-zocker-kredite-neue-initiative-will-geld-revolution-in-der-schweiz_id_4316153.html

Wer wohl die Kritiker sind? Die gibt es scheinbar auch bei uns aber anders als in der Schweiz, haben wir keine Demokratie sondern eine freiheitlich demokratische Grundordnung. Und überhaupt; wo kämen wir denn hin, wenn sich die Banken nur noch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und nicht mehr mit selbst geschöpftem, virtuellem Geld in Werte spekulieren, die es gar nicht gibt. Dann bräuchten die gar nicht mehr vom Steuerzahler gerettet werden – und das wäre ja wohl total fies ey.

MfG
Wanderer

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2 Gedanken zu „Mangelwirtschaft mit reichlich Überflussoptionen

  1. Lieber Wanderer,
    könnte es sein, daß einige „weniger wichtige“ Dinge „vergessen“ wurden?
    1. Der Wachstumszwang unseres jetzigen Wirtschaftssystems entsteht „organisch“ durch das Zinssystem – da alle „Investitionen“ (als Kredite) zinsbehaftet sind, muß ständig „Wachstum“ erzeugt werden, damit die Gier der Geldverleiher befriedigt werden kann, welche ein hohes leistungsloses Einkommen beziehen.
    Wir haben heute zwischen 40 und 60% Zinsen in allen Preisen für Waren und Leistungen.
    2. Unser jetziges „Geld“ ist nur noch zu einem extrem geringen Anteil wertgedeckt, d.h. durch reale Werte hinterlegt – das meiste „Geld“ sind nur noch Zahlen im Computer, die sich beliebig manipulieren lassen – wer „kontrolliert“ die Banken?
    Ich meine: wer kontrolliert sie wirklich…
    3. Das meiste „Geld“ ist heutzutage (virtuelles) „Buchgeld“ bzw. „Computergeld“ und wird als „Schuld“ geschaffen, per wundersamer Kreditgeld-Vermehrung – die Mechanismen sind bekannt und vor gut 20 Jahren von der Bundesbank in ihrer Broschüre auch beschrieben worden:
    die Geschäftsbanken hinterlegen bei einer Kreditvergabe nur die sog. Mindestreserve (1 – 2 % der Kreditsumme) bei der ZB – für die restlichen jeweils 98 – 99% können immer wieder neue Kredite ausgereicht werden, d.h. am Ende „entsteht“ die fast hundertfache Geldmenge – das „Geld“ dafür wird jeweils als Buchungssatz per Bilanzverlängerung im Computer „neu geschaffen“.
    Erst bei der Rückzahlung der Kredite durch Menschen und Unternehmen wird es in werthaltiges Geld umgewandelt – der Kredit jedoch verschwindet mit seiner Tilgung aus den Büchern – das werthaltige Geld bzw. die dafür erworbenen Werte verbleiben bei den Banken bzw. deren Eigentümern/Kreditoren.
    4. Das einzige Geldproblem sind die nicht mit der Kreditsumme geschaffenen Zins-Summen – sie fehlen als „Geld“ im System – daher müssen ständig neue „Kreditkunden“ gefunden werden – neben den Unternehmen sind das Privatpersonen, und wenn diese in der Masse überschuldet sind, müssen die sog. „Staaten“ einspringen als „Schuldner“.
    Letztere können die Schulden natürlich nie zurückzahlen, dazu sind die Summen inzwischen viel zu hoch, es wird nur noch „umgeschuldet“ und nicht mehr getilgt, d.h. es werden neue Kredite aufgenimmen, nur um die Zinsen für die bisherigen „Schulden“ zu bezahlen.
    Genau darum geht es auch: um die Zinszahlungen – und um die Werte, die als „Sicherheiten“ für den Kredit hinterlegt worden waren – sie wandern Stück für Stück (mit jedem „geplatzen“ Kredit) in das Eigentum der Banken bzw. deren Eigentümer bzw. deren Kreditoren (oft unter dem falschen Begriff „die Märkte“ angeführt).
    Und da sich die Kreditnehmer (Private und Unternehmen) dieses Geld für die Zinsen bis zum jeweiligen Zins-Zahlungstermin ständig gegenseitig abjagen müssen, entsteht so auch ganz „organisch“ das Prinzip der Konkurrenz – uns gern als „Triebkraft“ verkauft – als Geld-Systemeigenschaft.
    5. Das Beste: allen „Schulden“ (private, „staatliche“, Unternehmens-) in Summe stehen (erstmal gleich große) Guthaben = Vermögen gegenüber, die durch den Zinsdienst mit der Zeit die „Schulden“ bei weitem übertreffen – es gibt also eigentlich kein „Geldproblem“, sondern nur ein „Verteilungsproblem“.

    • Eigentlich geht es in diesem Artikel nicht um das Geldsystem, sondern um das Wirtschaftssystem – aus Sicht der Investoren.

      „…aufzuzeigen wie das Geld aus dem Wirtschaftskreislauf gesogen wird und das dadurch definiv Konsequenzen zu erwarten sind.“

      Das Geldsystem ist zwar Teil dieses Systems aber es ist eben nicht das Wirtschaftssystem. Eine Investition kann als Kredit (Unternehmen) oder als Anlagekapital (Investor) verstanden werden. Hier war letzteres gemeint.

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