Alle Jahre wieder?

Die Zeit für den Freikauf schlechter Gewissen ist angebrochen und sorgt für überfüllte Parkgelegenheiten und Menschenmassen, die sich im Gänsemarsch und gegenseitig stützend durch Deutschlands Kauftempel schieben. Genau genommen gleicht der Blick in Mammons heilige Hallen eher eine Horde Zombies, die im festen Glauben an sauer verdiente Schuldscheine, die inhaltliche Leere durch immer noch mehr unnütze und kurzlebige Geschenke auffüllen zu können. Am vergangenen Samstag wollten wir nur kurz in die Stadt. Aus diesem Kurztrip ist eine zweistündige Reise geworden die wir dann unverrichteter Dinge abbrechen mussten. Die massive Demo gewissenloser Massen erlaubte kein weiteres Vorankommen. Der Einzelhandel, der diese Bezeichnung schon längst nicht mehr verdient, rechnet mit neuen Umsatzrekorden und Umfragen ergaben, dass der Freikaufsoli um die 400 Euro pro Nase liegen würde – also mehr als eine durchschnittliche Monatsmiete.

Aber auch Taschendiebe haben Hochkonjungtur. In gut organisierten Banden durchstreifen sie Weihnachstmärkte, die, gut von der Polizei überwacht, noch immer als lohnenswerte Jagdgründe gelten. Spiegelverkehrt erleben wir die Taschendiebe im feinen Zwirn und festem Sitz in den Regierungspalästen, die, gut bewacht von Polizei und Ordnungskräften den nächsten Raubzug an der Bevölkerung im Blick haben. Wäre da nicht die allgemein ansteigende Disharmonie zwischen Scheinwelt und realem Leben könnte man meinen, alles stehe zum Besten und es gehe weiter wie bisher. Ja, der Glaube an nichts muss wirklich stark sein.

Aber Weihnachten ist auch die Zeit des Weihnachtsgeldes. Während sich die Besoldungsgruppen der öffentlichen Dienste mit einer schon als Dreistigkeit zu bezeichnenden Selbstverständlichkeit ein erklägliches Sümmchen als 13. Gehalt gönnen, werden deren steuerzahlende Finanziers in der freien Wirtschaft auf die Spendierfreudigkeit ihrer Chefs hoffen müssen. Die Zeiten gefüllter Briefumschläge, die mit freundlichem Blick und festem Händedruck an Gehalts- und Lohnempfänger überreicht wurden, sind längst vorbei manch einer unter ihnen kann schon froh sein, nach Abzug der Abgaben noch 20 Euro für die Weihnachtsgans übrig zu haben – frisch aus Mastanlagen, die man vor dem großen Fressen lieber nicht aufsuchen sollte.

Es ist schon eine sehr bemerkenswerte Zeit in der wir leben. Nicht Frieden oder der Ruf nach Freiheit lockt die Massen auf die Straßen, nein, es ist ein Programm, ein Scriptschnipsel, das auf eine irrationale Datenbank in den Köpfen der Menschen zugreift und ein ebenso irrationes Verhalten hervor ruft, welches mit dem ursprünglichen Weihnachtsprogramm rein gar nichts mehr gemein hat. Weihnachten ist zu einem Fest des Maximalprofits mutiert, das von Zombiemassen finanziert und von wenigen Profiteuren in vollen Zügen genossen wird.

MfG
Wanderer

PS: Denken wir dieser Tage auch an die Obdachlosen in diesem reichen Land, die, nicht so wie die Flüchtlinge(?) aus Afrika, keine starke Lobby hinter sich wissen, das deutsche Elend jedoch täglich im Reallife miterleben.

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