Die fiktive Normalität

Im täglichen Leben verwenden wir oft Begriffe deren Bedeutung unklar, ungenau oder sogar unbekannt ist. Dazu zählen nicht nur Fremdwörter, sondern auch ganz triviale Begriffe – wie zum Beispiel „normal“ und alle damit verbundenen Derivate. Was wir unter normal bzw. Normalität verstehen, gibt es gar nicht. Genau genommen ist Normalität ein Begriff aus der Chemie. Im herkömmlichen Sprachgebrauch wird dieses Wort für die Beschreibung eines Zustandes verwendet von dem wir annehmen, dass er einem allgemeinen Verständnis unterliegt, jedoch ohne zu bemerken, dass er undefiniert ist. Normalität ist demnach das, was wir glauben darunter zu verstehen, ohne uns dessen bewusst zu sein, dass wir gar nichts darunter verstehen. In der Psychologie/Psychatrie wird es dann völlig absurd. Dort wird sogar bestimmt, wer normal bzw. anormal ist. Verrückt oder?

Die Entstehung dieser Wortschöpfungen haben wir der 68er Bewegung zu verdanken. Vorher gab es offensichtlich keine Normalität. Jürgen Link, der sich mit der Normalismustheorie beschäftigte, äußerte sich auf die Frage, zu welchen Konsequenzen es führt, wenn Menschen mittels Regulationstechniken – zum Beispiel der Medien – dazu angeregt werden, gesellschaftliche Diskurse um Sozialabbau oder Krieg nicht als Bedrohung, sondern als normal anzusehen, folgendermaßen:

„Daß du nicht merkst, dass du nichts merkst.“

Diese Aussage spricht Bände und ist zugleich ein Fingerzeig, im Hinblick auf den gesellschaftlichen Zustand. Es ist also ganz normal, dass unsere Mitmenschen nicht merken, dass die nichts merken.

Bar dieser Erkenntnis lese man nun folgenden Artikel, um sich dann mit einem frisch gewaschenen Gehirn wieder der Normalität zuzuwenden.
http://www.zeit.de/2013/20/normalitaet-normen-und-grenzen

MfG
Wanderer

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