Selbstbetrug – ein Märchen drum herum

Machen wir uns mal was vor. Zur Abwechslung kann das ja ganz lustig sein, auch wenn es offenlichtlich nichts einbringt. Nehmen wir mal an, du wohnst in einem Mehrfamilienhaus mit 100 Wohneinheiten und dieses Haus gehört einer Genossenschaft. Kürzlich hat der Vorstand beschlossen, das Haus zu verkaufen und allen Bewohnern Wohnungen in anderen, moderneren Häusern zugesagt. Als Begründung für diesen Schritt werden anstehende Kosten angeführt, die das Objekt in den Augen des Vorstandes unretabel erscheinen lassen. Nun ist jede Wohneinheit auch Genossenschaftsmitglied, zahlt Beiträge, hält sich an die Hausordnung und arrangiert sich mit den Nachbarn, soweit es möglich ist. Man hat sich über die Jahre eingerichtet und an die Vorzüge und Nachteile gewöhnt.

Jetzt passiert aber folgendes. Eine, bei der Genossenschaft angestellte, Mittbewohnerin erfährt, dass es weder um Kosten, noch um einen Verkauf des Objektes geht, sondern lediglich um eine Fusion zweier Genossenschaften und das der, als Grund angeführte, Verkauf des Hauses lediglich ein Buchungstrick sei, um Steuern zu sparen. Die Frau sieht sich aufgrund dieser arglistigen Täuschung zum handeln berufen, und verbreitet über das schwarze Brett jedes Eingangs die wahren Absichten der Genossenschaftsleitung. Schon kurze Zeit später fängt das Gerede an und je nach Gemüt macht sich Empörung, Gleichgültigkeit, Resignation oder Wut in der Hausgemeinschaft breit. Eines jedoch eint alle – das Gefühl hintergangen worden zu sein. Statt jedoch diesen, einzigen Aspekt der Einigkeit zu vertiefen geschieht etwas unerwartetes.

Der Vorstand hat von dem sich anbahnenden Ärger Wind bekommen und beschließt, einer direkten Konfrontation mit den Bewohnern aus dem Weg zu gehen. Stattdessen soll eine Art Guerillataktik angewandt werden indem man einzelnen Bewohnern besondere Zugeständnisse macht, wenn sie im Gegenzug mithelfen, die Gemeinschaft unerkannt zu entzweien. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Gleich und gleich gesellt sich gern und nach genau diesem Prinzip bilden sich Gruppen, die, weder interagieren und schon gar nicht kooperieren, sondern lediglich ihre Ansichten über die bevorstehende Maßnahme pflegen. Eine Gruppe schimpft auf den Vorstand, die Nächste vermutet eine unerlaubte Kungelei zwischen den Genossenschaften, eine Weitere sagt sich, man könne ja eh nichts dagegen machen und ein radikaler Teil beruft sich auf die Hausordnung und will vor ein Gericht ziehen, um auf dieser Grundlage gegen die Genossenschaften zu kämpfen.

Das Ganze könnte jetzt noch weiter vertieft werden aber ich denke, das Prinzip ist einleuchtend und bedarf keiner weiteren Erklärung. Bemerkenswert an dieser Situation ist, das, ganz gleich wieviel Zeit, Geld und Kraft in die Verteidigung der jeweiligen Ansichten investiert werden, das Wesentliche außer Acht gelassen wird – das Gefühl, hintergangen worden zu sein. Dieses Gefühl wird man auch in einem anderen Haus, mit einer fusionierten Genossenschaft, nicht los. Die alten Vorstände bleiben und es kommen noch ein paar neue dazu. Die Genossenschaftspolitik bleibt unverändert und in der Satzung wird lediglich der neue Name einer fusionierten Genossenschaft eingetragen.

Welche Lösung liegt am Nächsten?

MfG
Wanderer

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3 Gedanken zu „Selbstbetrug – ein Märchen drum herum

  1. Tja, eine Geschichte – eben wie aus dem echten Leben – bei der ich mal mehr, mal weniger seit 27 Jahren – richtig 27!!! Jahren – beteiligt bin. Allerdings geht es bei dieser Genossenschaft nicht um Fusion, sondern darum, dass sich ein paar Leute seit jetzt 42 Jahren jedes Jahr mit eins, zwei, drei Millionen bedienen und zum Schaden der Eigentümer und die Banken, Sparkassen, Versicherungen und die lieben Amtsgerichte und Landgerichte und Oberlandesgerichte dabei alle ordentlich mit kassieren.

    „Welche Lösung liegt am Nächsten?“

    Da hilft nur noch ein Flächenbombardement auf die Anlage; so in der Art US-Raketenträger schießt Cruise Missile auf Bagdad. Leider verfüge ich über solche Waffensysteme nicht. 😉

    Andere Vorschläge? Lasst hören, ich bin offenen Ohres.

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