Glaubst du noch oder weißt du schon?

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Freundschaft – (r)eine Ansichtssache

Freundschaft
Bild: bizipic.de

Freundschaften sind etwas wunderbares. Sie bieten Halt, Bestätigung, Akzeptanz etc. und bilden eine Art Schutzschild vor natürlichen Feinden. Wenn man etwas tiefsinniger über die Eigenschaften von Freundschaften nachdenkt, stößt man unweigerlich auf Widersprüche. Da wäre zum einen die Tatsache, dass man sich und gleichgesinnte als Freund bezeichnet, anders gesinnte mit ihrem Freundeskreis jedoch, nicht als Freunde betrachtet. Genau genommen haben wir bei dieser Betrachtung zwei Personenkreise die Freundschaft mit zweierlei Maß messen – anhand von Ansichten. Wie schnell sich Freundschaften und auch die Gesinnung innerhalb dieser Freundeskreise ändern ist der Tatsache geschuldet, dass sich Menschen verändern – sie reifen. Sehr bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass der geistige Freiraum von Freundeskreisen immer kleiner wird und damit einem perfidem Feind Tür und Tore öffnet – der Intoleranz.

War es früher noch so, dass sich Freundeskreise gemeinsam weiter entwickelt haben, ist es heute vielfach so, dass sich nur der Einzelne weiter entwickelt und ab einem bestimmten Punkt den Freundeskreis verlassen muss oder gar verstoßen wird. Ist das etwa Freundschaft? Freunde sollten doch füreinander da sein, in guten wie in schlechten Zeiten. Genau genommen erkennt man wahre Freunde ausschließlich in schlechten Zeiten. Und so gibt es Freunde, die entweder von oder für Freundschaften leben. Wobei erstere eher zweifelhaften Motiven folgen.

Eine weit verbreitete Annahme in unseren Tagen ist, dass Freunde keine Kritik an den eigenen Reihen üben sollen. Wer diese Regel missachtet, wird schnell als Nestbeschmutzer oder Querulant bezeichnet. Aber wer, wenn nicht ein Freund, soll dann den Finger in eine offene Wunde legen? Etwa ein Feind? Freunde müssen nicht nur unangenehme Wahrheiten vertragen können, sie sollten sie auch ihren Freunden nicht vorenthalten, sonst sind Freundschaften keinen Pfifferling wert.

Mit der Freundschaft verhält es sich in etwa so, wie mit der Wahrheit. Wenn schon, dann auch konsequent. Halb schwanger geht schließlich auch nicht.