Vorbilder

Geldregen
Bild: http://www.livenet.ch

Gibt es noch Vorbilder? Gab es sie überhaupt jemals? Fragt man heute jugendliche, wer denn ihr Vorbild sei, erhält man als Antwort meist Namen von Filmhelden, Fussballern, Minnesänger/innen oder Modell-Frauen. Politiker finden sich in der Rangliste, wenn sie überhaupt auftauchen, auf den hintersten Rängen wieder. Stellt man im Anschluss die Frage, was sie denn später einmal werden wollen, belegt eine bestechend einfache Logik den ersten Platz. Berühmt, weil, dann ist man auch reich und wenn man reich ist, kann man sich alles leisten.

Diese Aussage hat es in sich, denn was sich heutige Vorbilder alles leisten, hat mit der ihnen auferlegten Vorbildfunktion in etwa so viel gemeinsam wie die Grünen mit dem Umweltschutz. Davon mal abgesehen ist „reich sein“ das wohl erstrebenswerteste Ziel. Befragt man die Kleinsten unter uns was sie mit ganz viel Geld anfangen würden, kommen spontan Vorschläge wie die Welt zu einem besseren Ort gemacht werden könnte. Jugendliche sind da schon etwas pragmatischer und so stehen vor allem teure Luxus- und Konsumartikel, Weltreisen und Macht im Vordergrund. Ganz am Schluss rangieren dann soziale Projekte, doch von Weltverbesserung spricht niemand mehr. Werden Erwachsene mit der selben Frage konfrontiert, bekommt man den Eindruck, dass sie sich in Sachen Dummheit gegenseitig überbieten wollen. „Geld anlegen“ um noch reicher zu werden liegt auf der Hitliste weit vorn, gefolgt von Reisen, Luxus und einem schönen Leben das vor sich hin plätschert wie ein seichter Gebirgsbach. Angesprochen auf Spenden und soziale Projekte erhält man sehr häufig die Erwiederung, das diese Gelder sowieso veruntreut werden und gar nicht dort ankommen, wofür gespendet wurde.

Sich bei solchen Antworten zu beherrschen ist nicht leicht. Es ist aber eines zu erkennen, mit zunehmendem Alter und dem Gedanken an wachsendem Reichtum scheinen Weisheit und soziale (nicht sozialistische) Verantwortung abzunehmen. Diese Tatsache ist auch bei den „echten“ (Erfolg)Reichen zu beobachten. Doch unterzieht sich deren Persönlichkeit zusätzlich einer Wandlung vom Homo-Sapiens-Sapiens zum Homo-Sapiens-Egomanius bzw. einem Homo-Egomanius-Profilneurosius – ganz ohne Sapiens. Gerechterweise muss erwähnt werden, dass auch ein paar Exemplare immun gegen diese Wandlung sein können – jedoch ist mir persönlich niemand bekannt.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis und man muss sich fragen, ob wir solche Vorbilder brauchen oder ob es nicht besser wäre, diese „Vorbilder“ ´mit dem richtigen Etikett zu versehen – Idole. Idole sind nur Abbilder, Götzenbilder. Sie verkörpern keine Ideale und streben auch nicht danach. Idole haben keinen anderen Lebensinhalt außer der Selbstdarstellung. Es sind Freaks und wir setzen diese Freaks unseren Kindern vor und erklären ihnen, das sie genau so sein sollen – dann würde etwas aus ihnen werden. Herr, bitte lass Hirn regnen…

Heutige Vorbilder sind nichts anderes als Zerrbilder, die einen Zweck erfüllen. Daher wird wohl auch die Wortschöpfung Vorbildfunktion stammen. Vorbilder haben eine Funktion und sollen dem entsprechend funktionieren. Wir sollten deshalb das „Vorbild“ mit einem sinnvollen Kontext versehen bevor unsere Kinder, nur noch als Schatten ihrer Selbst, als Darsteller des eignen Lebens enden.

Star
Bild: http://www.all4yourparty.de

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5 Gedanken zu „Vorbilder

  1. Lieber Wandernder 🙂
    Ich gebe im Zusammenhang zu bedenken:
    Hattest du als Kind und Jugendlicher Vorbilder?
    Ich hatte keine, und die Aufgewecktesten in meinem Umfeld auch nicht.
    Ja, wir haben diesen oder jenen Erwachsenen bewundert, aber Vorbild, das heisst in meiner Vorstellung: so sein wollen wie er? Fehlanzeige.

    Dass Geld das Erstrebenswerte sei, ist nicht neu.
    ich war in meinen grünen Zwanzigern angewidert und gelangweilt, wenn ich Militärdienstkollegen über ihre Berufe reden hörte. Es war samt und sonders die Rede von der einkommenden Kohle. Ehrenwort. War eine meiner einigermassen grossen Ent täusch ungen im Leben, was meine Mitmenschen anbelangt. Kein Wort über die Tätigkeiten und alles was damit zusammenhängt, nö. Wivöu hesch deete? Huere Schiissdräck, i ha, gopfverchlemmi glatti 20 Prozänt weniger. Deföör hani a Huushypothek mit nume 4.5 Prozänt. Esoo chan i mit Miinere immerhin doch no uf Griecheland im Summer.

    Wenn ich zurzeit in der CH gelegentlich Schul geb, dann staune ich über die Kinder. Da gibt es immer eine Menge, die Kompetenzen, die hatte ich als Kind definitiv nicht.

    Wir dürfen hoffen, Wanderer, dass wir nach den Wirren nicht zu zweit im nicht mehr existierenden Wald hocken werden.

    • Hallo Thom, natürlich hatten wir Vorbilder. Noch dazu waren wir von einem Idealismus geprägt, der unserem Schuldirektor regelmäßig die Sorgenfalten auf die Stirn trieb. Wir sahen uns als Buben schon durch das Weltall reisen und intergalaktischen Frieden stiften. Das war zu Zeiten des kalten Krieges und da wir nicht im FDJ Hemd losdüsen wollten, galten wir als Abweichler. 😀

      Gut’s Nächtle

  2. Es muss heissen:
    „Da gibt es immer eine Menge, die weisen Kompetenzen auf, welche ich als Kind definitiv nicht hatte.“
    War schon wieder zu schnell. Na ja, hier ist Schlafenszeit, ich verzeih mir ausnahmsweise. 😉

  3. Was heute als Vorbild verkauft wird nannte man in meiner Jugend noch Idol.

    Das Wörterbuch von Encarta definiert Idol folgendermaßen:
    unkritisch verehrte, vergötterte Persönlichkeit.

    Die Erklärung für Vorbild hingegen lautet im selben Wörterbuch:
    das;ein V. (für j-n) j-d, den man (wegen seiner guten Eigenschaften od. Fähigkeiten) so bewundert, sodass man so werden will wie er ≈ Ideal ||hierzu vor·bild·haft Adj

    Die Umerziehung die in Deutschland seit Jahrzehnten läuft zeigt nun deutlich wohin die Reise geht.
    Idole zu vergöttern ist einfacher als Vorbildern nachzueifern.

    Liebe Grüße
    Margitta

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