Der hundertste Affe

JapanmakakenFoto: ©http://idw-online.de

Der Homo-Sapiens-Manipulensis ist ein ganz besonderes Kreatur. Er beherrscht den aufrechten Gang, kann sich artikulieren, besitzt eine außerordentliche Lernfähigkeit aber auch eine ebenso außerordentliche Ignoranz. Anhand eines Beispiels soll dies näher beleuchtet werden.

Das Prinzip des hundertsten Affen wird bei Wikipedia folgendermaßen beschrieben:

Das Prinzip des „hundertsten Affen“ („The Hundredth Monkey Phenomenon“ oder „The Hundredth Monkey Effect“) ist ein moderner Mythos, der ab 1979 als Beispiel für kollektives Bewusstsein verbreitet wird, aber auf falsch wiedergegebenen wissenschaftlichen Quellen zum Kollektiv- und Lernverhalten beruht.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hundertster_Affe

Um den interessierten Sapiens in eine bestimmte Geisteshaltung zu lenken wird zuerst auf einen modernes Mythos hingewiesen. Der nächste Verweis – kollektive Bewusstsein – zeigt auf eine Seite mit dem Inhalt „kollektive Intelligenz“. Was Bewusstsein mit Intelligenz zu tun hat verschweigt uns Wikipedia geflissentlich. Selbstverständlich weiss Wikipedia auch, das die wissenschaftlichen Quellen falsch wiedergegeben wurden.

Schon im folgenden Abschnitt wird ein Botaniker und s.g. New-Age Autor genannt, zu dem die schlaue Wiki keine Informationen bereit hält – Hauptsache New Age wurde genannt. Zudem suggeriert die einleitende Floskel „Was dann angeblich geschah…“, das alles nur erfunden sein soll.

Im dritten Abschnitt wird schon wieder ein rätselhafter Autor erwähnt (Selbstentwicklungs-Autor), über den Wikipedia wiederum keinerlei Informationen hat. Plötzlich wird es paranormal. Da die Medien voll mit paranormalem sind, weiss natürlich jeder darüber bescheid und es gibt jede Menge Fachliteratur über dieses Thema -außer bei Wikipedia. Unter dem Verweis „paranormal“ im dritten Abschitt erhalten wir eine sehr knapp gehaltene Antwort auf dieses weit verbreitete Phänomen.

Paranormal als Adjektiv, substantiviert Paranormalität (para = griechisch neben, gegen, im Vergleich mit) bezeichnet etwas nicht auf natürliche Weise Erklärbares oder Übersinnliches.

Mit dieser Information kann nun wirklich jeder etwas anfangen. Außerdem weiss man ja was paranormal ist. Darüber braucht es keine weiteren Informationen. Ein weiterführender Verweis von „paranormal“ zeigt auf den Begriff „Übersinnliches“. Klickt man diesen Verweis an, wird man von einer Informationsflut wahrhaft erschlagen.


paranormale Ereignisse oder Erlebnisse im naturwissenschaftlichen Zusammenhang, siehe Außersinnliche Wahrnehmung

Und wer dann noch nicht genug Zweifel hat, wird weiterführend von „paranormal“ auf „außersinnliche Wahrnehmung“ verwiesen. Aber zurrück zum Artikel mit dem hundertsten Affen. Erstaunlich ist ein Verweis auf die Forschungsarbeit über morphogenetische Felder von Rupert Sheldrake. Denkt der Interessierte „aha, nun wird es spannend“, wird beim Klick auf diesen Verweis die nächste Schlaftablette verabreicht. Das Sheldrake als Pionier der Wissenschaft an zwei der renomiertesten Universitäten arbeitete bekommt man zwar mitgeteilt aber es wird auch gleich klar gestellt, das diese Arbeit nicht ernst zu nehmen sei. Im Letzten Absatz unter „Mythos“ muss selbstverständlich noch der Begriff Esoterik fallen. Wer jetzt glaubt das Bild sei nun genug verzerrt worden irrt. Im Abschnitt „Kritik“ geht es richtig zur Sache.

Um genau zu zeigen wie der Leser schon im einleitenden Satz dieses Abschnitts in die Irre geleitet wird, soll er hier abgebildet und zerlegt werden.

„Watson hat die von ihm zitierten wissenschaftlichen Aufsätze entweder nicht richtig gelesen oder verzerrt wiedergegeben“,[8] so urteilte der Philosophiedozent und Skeptiker Ron Amundson und nannte diese Mischung aus freier Improvisation von Fakten und Anklängen von Verschwörungstheorie „die klassische pseudowissenschaftliche Vorgehensweise“. Auch Masao Kawai, Leiter der japanischen Verhaltensforscher, die die Affenpopulation mehrere Jahrzehnte lang untersucht hatten, bezeichnete Watsons Darstellungen der Studienergebnisse mehrfach als falsch.

Als Einleitung folgt das Zitat eines Philosophiedozenten, den Wikipedia ebenfalls nicht kennt. Abgesehen davon das ein Dozent kein Wissenschaftler ist, so wie ich kein Schriftsteller bin sondern lediglich Autor dieser Zeilen, wird von eben jenem Philosophiedozenten die Behauptung aufgestellt das Watson die wissenschaftliche Aufsätze falsch zitiere oder, jetzt wird es schon fast komisch, nicht richtig gelesen oder verzerrt wiedergegeben habe. Das Sahnehäubchen bildet dann die Umschreibung des Wikipedia Autors, als eine Mischung aus freier Improvisation von Fakten und Anklängen von „Verschwörungstheorie“ – BUUUM, das Totschlagargument. Das dieser Dozent kein Wissenschaftler ist oder war und dennoch unreflektiert den Vorwurf einer pseudowissenschaftlichen Vorgensweise äußert, wird selbstverständlich nicht kritisch beäugt. Dann wird noch Kawai als Verhaltensforscher genannt, jedoch kein Zitat und kein Verweis auf seine angeblichen „Aussagen“ geliefert – somit auch nur Behauptungen.

Dann wird es richtig mysteriös. Es wird suggeriert das Watson sich selbst in seinem Buch wiederlege. Anhand von kurzen Zitaten will der Wikiautor dies beweisen.

„die Details zu improvisieren“. Vor allem, weil „diejenigen, die die Wahrheit ahnen, zögern, sie publik zu machen, aus Angst, der Lächerlichkeit anheim zu fallen.“

Der Zitatfetzen „Details zu improvisieren“ scheint willkürlich eingefügt worden zu sein und dient als schwache Überleitung in ein sehr viel interessantes Zitat. „diejenigen die die Wahrheit ahnen, zögern, sie publik zu machen…“

Was hat sich Watson dabei gedacht, eine wissenschaftliche Arbeit über Verhaltensweisen von Affen mit diesem Zitat in Zusammenhang bringen? Dieser Wikianische Erklärungsversuch stinkt doch zum Himmel. Wie Watson dazu gebracht wurde seine Arbeitsergebnisse zu wiederrufen, wird andeutungsweise in den darauf folgenden Sätzen klar.

Die Hintergründe im letzten Abschnitt sollen noch einmal jegliche Zweifel an der Existenz eines kollektiven Bewusstseins ausräumen. In mitten dieser „Erzählung“ taucht jedoch eine sehr fragwürdige Behauptung auf, die nicht belegt wurde.

Schließlich konnte dieses Verhalten auch in Kolonien außerhalb der Insel beobachtet werden – ein waschender Affe war hinübergeschwommen
…ein waschender Affe war hinübergeschwommen…
Ein Affe, der Süßkartoffeln von Wissenschaftlern erhalten und sie zu waschen gelernt hat – übrigens, ein nicht bevorzugtes Nahrungsmittel – soll also die Entfernung zur nächsten Insel schwimmend überbrückt haben, um seinen Artgenossen die tolle Errungenschaft mitzuteilen, das man Knollen waschen kann. Sehr bemerkenswerte Leistung. Affen sind keine guten Schwimmer und der Pazifik mit seinen starken Strömungen ist auch für Menschen eine Herausforderung. Und hier wird einfach behauptet ein Affe kann das.

Die wissenschaftliche Studie wurde durch Verhaltensforschung an Japanmakaken auf der japanischen Insel Kōjima erstellt. Diese japanische Insel liegt im pazifischen Ozean und dieser ist bekannt für seine starken Strömungen. Die nächste Insel liegt etwa 600m östlich von Kōjima, die nächste etwa 3km nördlich, selbst zum Festland sind es etwa 200m.

So schwimmen Affen: (Video)
http://www.spiegel.de/video/affen-koennen-schwimmen-und-tauchen-lernen-video-1289890.html

Advertisements

5 Gedanken zu „Der hundertste Affe

  1. Zum Thema morphogenetische Felder. Rupert Sheldrake wollte von der „etablierten Wissenschaft“ eine Untersuchung darüber, weshalb Meerschweinchen oftmals quieken wenn ein menschliches Familienmitglied sich dem Hause nähert, ohne das das Tier den Mensch jedoch sehen oder hören kann. Dieses Phänomen ist altbekannt und tausendfach belegt, doch anscheinend weigert sich die „Wissenschaft“ näher darauf einzugehen. Warum wohl? 😉 🙂

    • Dazu gab es mal ein Video auf YT mit einem Hund, der auch „ahnte“, wann sein Frauchen heim kommt. Das wurde sogar zu unterschiedlichen Zeiten getestet um Gewohnheitszyklen auszuschließen.

      • Yepp, und das zeigt doch, daß es irgendeine Art „geistige Verbindung gibt.
        Und wenn man sich nun anschaut, wie der Geist heutzutage von allen Seiten verblödet wird, so muß man sich fragen, was der Grund dafür ist. 😉
        Da scheint es etwas zwischen „Himmel und Erde“ zu geben, von dem man nicht will, daß es „rauskommt“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s