Angebot

StreitGrafik: ©www.lwk-life.de

Unterschiedliche Ansichten erfordern nicht zwingend unterschiedliche Standpunkte. Genau genommen erfordern sie gar keine. Wer einen Standpunkt ein nimmt, bewegt sich nicht mehr, steht auf einer Stelle. Wenn das Leben jedoch ein Weg ist und der Weg das Ziel, können Standpunkte zwangsläufig nur hinderlich sein. Ähnlich, aber von Grund auf verschieden, verhält es sich mit Meinungen. Der qualitative Unterschied zwischen Meinungen und Standpunkten ist der, das Meinungen schneller geändert werden können, da sie, im Gegensatz zu Standpunkten, keinerlei Überzeugungen bedürfen. Die Ähnlichkeit zwischen beiden ist lediglich die (An)Sicht auf bestimmte Themen. Eine Meinung kann jederzeit widerrufen werden. Das geschieht in der Regel dann, weil sich der eigene Horizont erweitert hat. Mit Standpunkten ist das schon sehr viel schwieriger. Hier ist entweder sehr viel Überzeugungsarbeit erforderlich (unnötige Energieverschwendung) oder ein langwieriger Reifeprozess, der die eigenen Überzeugungen infrage stellt und schließlich über den Haufen wirft. So lange bleibt man mit seinem Standpunkt verhaftet.

Diese kleine Einführung war nötig, um ein Verständnis für das nun Folgende zu ermöglichen.

Im letzten Artikel Warum wir den Kampf verlieren habe ich zwar zu klären versucht warum wir den Kampf verlieren, aber bewusst einen Lösungsweg unterschlagen. Aus einem ganz einfachen Grund. Die Bereitschaft zu Veränderungen entsteht erst dann, wenn man sich einer „scheinbar“ ausweglosen Situation gegenüber sieht. Was hat das Ganze nun mit den Standpunkten und den Meinungen zu tun? Der Sinn darin ist, den, auf ihrem Standpunkt haftenden Lesern, die Möglichkeit zu geben, ihren Standpunkt wenigstens in eine Meinung umzuformen (zu transformieren). Das wird nicht jedem gelingen aber wer es dennoch schafft, erkennt das Potential hinter dem angebotenen Lösungsweg.

Divide et impera – Teile (spalte [die Menschen]) und herrsche.

Die wohl perfideste Art sich seine Macht zu sichern liegt darin, andere gegeneinander aufzuhetzen. Schon der einfache Volksmund weiss, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Was aber, wenn sich nicht nur zwei (Parteien) streiten sondern so ziemlich alle Gegensätze der polaren Welt miteinander in Konflikt stehen? Versetzen wir uns einmal in die Lage, von oben herab auf die Menschheit zu blicken und behalten wir die eben erwähnte Aussage im Hinterkopf. Was siehst du? Fangen wir im Großen an und arbeiten uns dann hinunter zur kleinsten Einheit.

Da wären zunächst die beiden großen Blöcke. Die westliche Welt gegen Russland und seine Verbündeten. Mit dem Focus auf Europa sehen wir die „reichen“ Länder gegen die „armen“ Länder. Wir erkennen auch unterschiedliche politische Ziele der Länder, die niemals zur Zufriedenheit aller gelöst werden. Auf der Bundesebene sehen wir Parteien (Teile), die das Volk in verschiedene Lager spalten. Auf Landesebene erkennen wir den geschürten Ost-West Konflikt und schließlich den Konflikt der einzelnen Bundesländer (Finanzausgleich). Noch eine Ebene tiefer sehen wir politisch orientierte Gruppen die, grob gesagt, nichts anderes tun als sich gegenseitig zu bekämpfen. Noch weiter unten ist die Bevölkerung im Konflikt mit den „Sozialschmarotzern“, den Zuwanderern, den Arbeitskollegen, dem Nachbardorf etc. Und ganz am Ende haben wir die geschürte Spaltung zwischen Eltern und Kindern, Mann und Frau – die Scheidungsquote lässt grüßen.

Dieser Abschnitt ist bei weitem nicht vollständig aber er soll eines verdeutlichen. Die Menschen aller Länder werden gegeneinander aufgehetzt. Diese Tatsache lässt uns erkennen was noch vor uns liegt, welche Hürden überwunden werden müssen. Wie kannst du als Einzelperson nun dazu beitragen? Das kommt auf deinen Standpunkt an! Überprüfe ob du flexibel genug bist oder ob bei dir erhebliche Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, damit du deine Grundeinstellung änderst. Schaue einfach, ob du einen diametralen Standpunkt mit genau der gleichen Energie vertreten könntest. Kannst du es nicht, bist du mit deinem Standpunkt fest verwurzelt. Wie man einen Standpunkt verlassen kann, ist weiter oben schon erwähnt worden.

Mit diesem Wissen ausgestattet, ist nun jeder in der Lage eine Entscheidung zu treffen. Ganz gleich wie diese ausfällt, sie hat Konsequenzen. Schafft es die Menschheit nicht, einen gemeinschaftlichen Weg zu gehen – zu einer Gemeinschaft zusammen zu wachsen – wird sich früher oder später das angestaute Konfliktpotential entladen und möglicherweise fatale Folgen für alle nach sich ziehen.

Anhand dieser Ausführungen können wir unschwer feststellen, das es eine spaltende Kraft geben muss. Eine Kraft die, die Schwächen der Menschen ausnutzt um die eigene Macht zu sichern und von den wesentlichen Problemen abzulenken. Wäre das nicht so, gäbe es keine Kriege und keine derart tief gespaltene Menschheit. Das auf diese Weise kein Gesundungsprozess einsetzen kann, sollte einleuchten. Mein Angebot lautet: Wirf alle Standpunkte, Überzeugungen, Meinungen, Vorbehalte, Urteile und die damit einher gehenden Gründe und Rechtfertigungen über Bord. Übernimm deinen Teil der Verantwortung.

Advertisements

10 Gedanken zu „Angebot

  1. Wenn ich zwei gegensätzliche Meinungen mit der gleichen Energie vertreten kann, habe ich dann das Zeug zum Rabbi oder nur Erfolg im Debattierclub? – Dein Angebot funktioniert nicht. Ich schreibe das aus Erfahrung. Es gibt hier keine einfache Lösung der Art ´Legen wir die Polaritäten ab´. Die Meinung keine Meinung zu haben ist auch eine Meinung. Divide et impera funktioniert aus diesem Grund: Die Polaritäten sind nicht auflösbar. Bedenke, was wäre, wenn es nicht so wäre. Die Erde ist den Menschen trotzdem anvertraut. Der Dialog kann nicht vereinfacht werden, ist natürlicherweise anstrengend. Das es Mittel und Wege gibt die Widerstände herabzusetzen, da stimme ich Dir zu.

    • Wenn du zwei Gegensätzliche Meinungen mit der gleichen Energie vertreten kannst weißt du, das kein Standpunkt nötig ist. Stelle dir vor du bist überzeugte Linke. Nun vertrete die Ansichten als Rechte…

      Das bedeutet nicht, das die Polarität aufgelöst wird. Mein Angebot funktioniert auch nur wenn die Bereitschaft da ist, die Haltung „dagegen“ aufzugeben und „dafür“ zu sein. Nicht für rechts oder links, für eine andere Lebensqualität.

      • 1. Diese Bereitschaft ist auf keiner Seite gegeben. 2. Es ist immer eine Minderheit, die was Neues versucht. 3. Der dritte Weg ist im Augenblick der Entscheidung dafür richtig, erschafft aber gleichzeitig neue Gegensätze.
        Teile und herrsche ist ein ewiges Prinizp, sonst wäre es nicht so effektiv. Also: Wie können wir noch damit umgehen, ohne die Irrtümer der Priesterkasten zu wiederholen?

      • Sieh es mal so nemo, du und ich wissen, das die Bereitschaft auf beiden Seiten nicht gegeben ist. Ich denke jedoch, das es eine Möglichkeit geben muss, diese Bereitschaft zu erzeugen. Das Stichwort hierzu ist „Paradigmenwechsel“. Die Bereitschaft vom „alten Handeln“ ab- und eine neue Sichtweise zuzulassen ergibt sich erst dann, wenn wir unmittelbar an einem Abgrund stehen. Warum muss es erst soweit kommen? Weil der Mensch erst dann bereit ist zu lernen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt? Ich bin der Auffassung, das es weit vor dem Abgrund Möglichkeiten zur Abkehr gibt und sehe es daher als meine Aufgabe, dies zu verkünden.

        Einen Irrtum meinerseits streite ich keineswegs ab und es ist auch nur ein „Angebot“. Wer es nicht annehmen möchte, braucht es nicht.

  2. Teile und herrsche ein ewiges Prinzip? Gibt es außer der Behauptung, das sei so auch eine Begründung dafür?

    Abgesehen davon ist das Einnehmen verschiedener Standpunkte eine Methode, die gut funktioniert und beliebt ist um Lösungsansätze zu finden. Mehr dazu hier:

    http://www.ideenfindung.de/6-H%C3%BCte-Methode-6-Thinking-Hats-Kreativit%C3%A4tstechnik-Brainstorming-Ideenfindung.html

    Ich habe in einer Firma gearbeitet, die das regelmäßig eingesetzt hat. Mit gutem Erfolg.

    • Eine Bevölkerung die sich einig ist, lässt sich schwerer regieren. Das jüngste Ergebnis zu dieser Behauptung findest du in der Geschichte der ehem. DDR – wir waren das Volk.

      Gegen unterschiedliche Standpunkte ist weit weniger einzuwenden als gegen einen einzigen. Diese, von dir erwähnte Methode hat mit dem hier gemeinten nichts zu tun. Im Artikel, Selbsttest – Der Wahrheit zuliebe, habe ich das an einem Beispiel erläutert.

    • Begründung? – Ja, gibt es: 1.Beobachtung; 2.Ist eine Schlussfogerung aus der Tatsache das wir materiell sind. Lasse mir, aber gern das Gegenteil beweisen. 😉
      Die Gehirnsturmmethode funktioniert, kann ich nur bestätigen.
      Hat aber auch alles Vor- und Nach-teile. Ich denke es gibt keinen einfachen Weg sich da durchzuarbeiten, jedenfalls hat den offensichtlich noch keiner gefunden. Nicht um Standpunkte streiten heißt Nachteile unschädlich machen, denke ich.

      Bitte macht in eurer Firma mal ein Brainstorming zu der Frage: „Wird der vollständige Arbeitsertrag der Firma gerecht verteilt?“

  3. Hi Wanderer,

    die Methode, die hinter dem Link beschrieben wurde hat direkten Bezug zu den vorangegangenen Beiträgen, in denen die These aufgestellt wurde, daß es schwierig bis unmöglich sei, verschiedene Standpunkte einzunehmen. Ich habe den Link abgelegt, um zu Zeigen daß es nicht nur möglich ist, verschiedene Standpunkte einzunehmen, sondern sogar als Methode zur Lösungsfindung eingesetzt wird.

    So als Experiment könnte man bei einer Links-Rechts Diskussion vorschlagen, mal diese Methode anzuwenden. Wäre sicher interessant.

    Ich gehöre übrigens zu der Kategorie „Menschen der politisch weder rechts noch links steht“ und für den die „Argumente beider Seiten nur schwer nachvollziehbar“ sind.

    Für mich sind das Religionen und mit Religionen habe ich grundsätzlich nichts am Hut. Bedauerlich nur, Menschen, die an Religion leiden, sind so gut wie unheilbar. Die Grundlagen ihrer Religionen mögen noch so abstrus und widersprüchlich sein, sie halten daran fest bis zum bitteren Ende.

    • Ja adrachin, diese Methode ist mir bekannt. Aber ich differenziere zwischen „einen Standpunkt einnehmen“ und „einen Standpunkt vertreten“. In einem Unternehmen werden Standpunkte vertreten, die nicht zwingend die Meinung des „Vertreters“ wiederspiegeln. Einen Standpunkt einnehmen ist wie eine „Festung einnehmen“ und diesen Standpunkt verteidigen bis auf den „letzten Mann“. Im Grunde verstehen wir uns und sind auch der gleichen Ansicht.

      MfG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s