Die Wahrheit

thrulies
Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit.
Joseph Joubert

Es ist nicht einfach mit der Wahrheit. Glaubt man sie gefunden zu haben, stellt sie sich schnell als Lüger heraus – bestenfalls als Desinformation. Es gibt mittlerweile eine ganze Bewegung die sich der Wahrheitssuche verschrieben hat. Doch wie jede Bewegung, trägt auch diese ungeahnte Stilblüten. Was einem wachen Geist dann so alles als Wahrheit angedreht wird, gleicht dem Angebot eines türkischen Basars – selbstverständlich alles zu Sonderpreisen unter Freunden. Nach dem Motto gleich und gleich gesellt sich gern gibt es auch in der Wahrheitsbewegung verschiedene Gruppen mit den kontroversesten Auffassungen. Dies an sich ist nicht verwerflich. Schlimm wird es erst, wenn die eigene Meinung zur Wahrheit ernannt und dann wie ein Dogma verteidigt wird. Das hat mittlerweile so verherende Ausmaße angenommen, das auf manchen Blogs gegenteilige Auffassungen als unerwünscht gelten und in Folge dessen auch nicht veröffentlicht werden. Es ist schon wie bei den viel beschimpfen Mainstream Medien. Nur das es hierbei nicht um politisch korrekte Aussagen geht sondern um das Festhalten an einer lieb gewonnenen Meinung.

Eines ist sicher, für die Wahrheit ist das der Tod! Man muss sich an dieser Stelle ernsthaft fragen wem die Spaltung der Wahrheitsbewegung nutzt und wer die so stark verteidigten, angeblichen „Wahrheiten“ in die Welt setzt. Es spricht nichts dagegen eine Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Aber es spricht alles dagegen anders lautende Meinungen nicht zur Diskussion zuzulassen. Das ist nicht der Weg, vom Ziel ganz zu schweigen. Wenn sich eine vermeintliche Wahrheit als Lüge herausstellt, sollte man auch die Größe besitzen und dies korrigieren. Es ist niemandem aus der Wahrheitsbewegung gedient, wenn einmal eingenommene Sichtweisen als Dogma gelten. Das haben wir auch ohne die Wahrheit (§ 130,3 lässt grüßen).

Jeder muss für sich selbst prüfen ob noch der rechte Weg beschritten wird. Unterlässt man diese Eigenkontrolle gerät man sehr schnell wieder in die Fänge, aus denen man sich zu befreien versucht. Wenn es nach mir ginge, wünschte ich mir das Gleiche von den Wahrheitssuchenden, was sich diese von der viel beschrienen unkritischen Masse wünscht – OBJEKTIVITÄT! Für einige Blogs und deren stete Leser wird das ein schwerer Gang, denn die so lieb gewonnenen Glaubensgrundsätze einfach aufzugeben ist nicht einfach. Es zeugt aber von Charakterstärke, wenn man sich eigene Fehleinschätzungen eingesteht. Das geht aber nur wenn man auch bereit ist, aus seinem Tagtraum aufzuwachen. Die Meisten werden es nicht schaffen…

Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für wahr.
Demosthenes

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5 Gedanken zu „Die Wahrheit

  1. Ja, das ist der Unterschied zwischen „wahr-haben“ und „wahr-nehmen“: was der eine schon als „Wahrheit“ hat (und damit als unumstößlich ansieht), nimmt der andere nur als solche – bis er bessere Einsicht gewinnt.
    „Wahrheit“ ist immer subjektiv und damit relativ – jeder hat seine eigene.

    Sogar die Wirk-lichkeit (als Prozeß) ist sehr von der jeweiligen Betrachtung abhängig, d.h. vom Betrachter selbst, seinem momentanen „Stand-punkt“, seinem bisherigen Werde-gang etc.
    Übrigens nicht nur im Zusammenleben und in der Quantenphysik, sondern überall in der Wissenschaft.
    Natürlich alles „nur theoretisch“… 😉

  2. Ist es nicht so, daß der wahrlich Wahrheitssuchende ständig seine Erkenntnisse, wenn nicht schon anzweifelt, zumindest hinterfragt? Weil er weiß, daß ein Mensch niemals zur absoluten Wahrheit gelangen kann?

    Ewiges Anzweifeln und Hinterfragen ist zwar zuweilen mühsam, aber man gewöhnt sich daran, und kommt Schritt für Schritt dem Plausiblen näher. 🙂

    • Es gibt viele gute Aussagen zum Thema Wahrheit. Es gibt aber noch sehr viel mehr Menschen, die diese Aussagen fehlerhaft oder gänzlich falsch interpretieren. Schlimm wird es dann, wenn diese, mit Fehlern behaftete, Auffassung in ein Glaubenssystem eingebettet wird.

      Zweifel halte ich persönlich für unangebracht, da sie zersetzend wirken. Ist aber Ansichtssache. Ich übe mich darin, die Dinge Vorurteilsfrei zu betrachten sprich, objektiv zu sein.

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