Links, rechts, oben, unten

Es gibt jede Menge Weltbilder und diese sind unweigerlich mit Standpunkten verknüpft. Das Problem bei Weltbildern die in Verbindung mit dem jeweiligen Standpunkt vertreten werden ist, wie bei Bildern üblich, ein „anderer“, der dieses Bild entworfen hat. Sei das jeweilige Bild noch so perfekt, eines haben sie alle gemeinsam – einen Begrenzer, auch Rahmen genannt. Alles was über diesen Rahmen hinaus geht ist für den Vertreter eines – unverrückbaren – Standpunktes nicht zu erfassen und wird daher meist angefeindet, bestenfalls ignoriert. Diese Erkenntnis ermöglicht uns einen tieferen Einblick in die menschliche Psyche, den Verstand und lässt Rückschlüsse auf Verhaltensmuster zu.

Ein Blick auf die politische Landschaft zeigt welchen Irrwegen ein Mensch gegenüber steht, wenn er sich für die eine oder andere Seite entscheiden soll und hier beginnen auch die Probleme. Eine freie Entscheidung zu welchem politischen Spektrum sich das Individuum hingezogen fühlt, ist in der Regel gar nicht möglich. Daher gilt die Annahme, eine freie Entscheidung getroffen zu haben. Diese wird selbstverständlich mit den mannigfaltigsten Gründen untermauert. Wendet sich ein Mensch eher dem linken Spektrum zu, tut er dies nicht aus sich selbst heraus. Er tut es, weil das von dieser Seite vermittelte „Bild“ dem Kontext der Masse zu entsprechen scheint und wer nicht mit dem Strom schwimmt, begibt sich stromaufwärts und das ist bekanntlich mit sehr großen Kraftanstrengungen verbunden.

Mit der „rechten Seite“ verhält es sich dem Prinzip nach ähnlich. Auch hier hat das Individuum ein Weldbild verinnerlicht, das die selben Charaktereigenschaften hat wie das Bild der „linken Seite“. Es hat einen Rahmen, es wurde von jemand anderen erstellt und man sieht von einem festen Standpunkt auf dieses „Bild“.

Für sich genommen stellt ein Weltbild kein Problem dar. Die Probleme treten erst auf, wenn die Individuen mit ihren unterschiedlichen Standpunkten in Konflikt geraten. Da Weltbilder und Standpunkte dieses Konfliktpotential besitzen ist es nur eine Frage der Zeit, wann es zu zusammenstößen kommt. Das ist in sofern verwunderlich, da „links“ und „rechts“ für sich gesehen keinerlei Berührungspunkte haben. Ergo scheint es einen unsichtbaren Dritten zu geben, der ein Interesse an der Schaffung unterschiedlicher Weltbilder, den damit verbundenen Standpunkten und den daraus resultierenden Konfliken hat.

Als wenn das noch nicht genug wäre kommen noch weitere Faktoren hinzu. Mit Überzeugungen, Meinungen, Urteilen, Rechtfertigungen, um nur einige zu nennen, wird jedes Weltbild individuell und als einzig wahrhaft erklärt. Das Ergebnis ist eine gespaltene Gesellschaft – divide et impera. Diese Spaltung vollzieht sich nicht nur auf der politischen Ebene. Praktisch alle Lebensbereiche sind davon betroffen. Berufstätig vs. arbeitslos, Mann vs. Frau, jung vs. alt, arm vs. reich, schön vs. häßlich, dumm vs. intelligent etc… Es ist wie ein grausames Spiel und es wird noch offensichtlicher, wenn man seinen Blick auf die Parteienlandschaft lenkt. Jede Partei scharrt  einen Teil (Part) der Bevölkerung in der Hoffnung um sich, die eigenen Interessen durch eine Mehrheit an Stimmen durchzusetzen. Wenn sich dann eine Partei an der Spitze behauptet, haben die anderen Teile (Parteien) der Bevölkerung das Nachsehen. Wenn also theoretisch 51% für etwas sind und 49% dagegen, entscheidet eine kleine Mehrheit von 2%. Das nennt man dann Demokratie.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie unter diesen Umständen eine friedliche Koexistenz aller Menschen möglich sein soll. Der viel besungene Paradigmenwechsel ist ausgeblieben, jedoch zwingend erforderlich. Wir werden sehen was die Zukunft für uns bereit hält.

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